Ich bin Niels, Gründer von Studio Kalz - und dieser Artikel erzählt, wie ich vom Produktfotografen zum 3D-Artist wurde. Von den ersten Fotos mit einer Einwegkamera bis zur Gründung meiner eigenen 3D-Agentur. Wenn du überlegst, einen ähnlichen Weg zu gehen, oder wissen willst, warum 3D-Visualisierung die Produktfotografie ergänzt und teilweise ersetzt - dann bist du hier richtig.
Das Wichtigste in Kürze: Es gibt keine klassische Ausbildung zum 3D-Artist. YouTube und Eigeninitiative sind der Weg. Ein Fotografie-Hintergrund ist Gold wert. Und: Die Nachfrage nach 3D-Artists wächst, während klassische Fotografie-Ausbildungen verschwinden.
Wie alles anfing - vom Einrad zur Einwegkamera
Ich fotografiere, seit ich neun bin. Mein erstes Motiv? Ein nagelneues Einrad an Weihnachten, angelehnt an die Holzschrankwand im Wohnzimmer - festgehalten mit einer Einwegkamera. Kein Stativ, kein Blitz, kein Plan.
Aber das war der Anfang von allem. Ich fotografierte so viel ich konnte. Im Garten entstanden Makroaufnahmen von Blüten, Blättern und interessanten Strukturen. Unsere Katzen und die Familie blieben natürlich auch nicht verschont. Gefilmt habe ich auch - ein absolutes Highlight war, als ich die Kamera meines Opas in die Hand nehmen durfte. Eine Sony Handycam Video 8 mit Kassetten. Da wusste ich: Bilder und Videos machen ist mein Ding.
Kurz danach durfte ich meine erste analoge Kamera aus dem Quelle-Katalog bestellen. Und zur Konfirmation bekam ich meine erste Digitalkamera: die Canon Ixus 75.
Später kamen erste Experimente mit 3D dazu. In der achten Klasse entdeckte ich ein Programm namens „Art of Illusion“, später kam Blender. Damals gab es kaum Tutorials - ich wusste nicht wirklich, was ich da mache. Aber die ersten Renderings von Würfeln und „Suzannes“ waren aufregend. Dieses Gefühl, Bilder aus dem Nichts entstehen zu lassen - das hat mich nicht mehr losgelassen. Aber erstmal wurde das Thema 3D wieder vergessen - die Fotografie hatte mich voll im Griff.
Mein Weg in die Fotografie
Vor der Fotografie kam die Technik: Ich machte eine schulische Ausbildung zum Technischen Assistenten - mit Programmieren, Netzwerktechnik und allem, was dazugehört. Aber die kreative Seite zog stärker. Vom Technischen ins Kreative: Vom Programmieren ins Fotografieren. Den Anfang machte 2012 ein Praktikum bei Schöning Fotodesign in Meppen. Werbefotografie, echte Aufträge, echte Kunden - Photoshop und Studiofotografie mit Blitzlicht. Und es hat richtig Spaß gemacht. Danach war klar: Das will ich machen. Also folgte die duale Ausbildung zum Fotografen beim Werbefotografen a|w|sobott mit dem Abschluss als dritter Landessieger.
Während der Ausbildung belegte ich einen Kurs am Photo + Medienforum Kiel: „Virtuelle Fotografie“. Das war der Moment, in dem sich alles zusammenfügte. Produkte fotorealistisch darstellen, ohne sie physisch vor der Kamera zu haben? Als Fotograf hat mich das sofort überzeugt.
2017 ging es für ein Praktikum zur DesignRaum GmbH in die Schweiz - 3D-Visualisierung auf höchstem Niveau. Dort lernte ich, wie professionelle Agenturen arbeiten: 3ds Max, VRay, Corona Renderer. Was mir aber auch auffiel: Selbst die teuerste 3D-Software hat ihre Macken und stürzt gerne mal ab. In meiner späteren Selbständigkeit konnte ich dann endlich mit Blender arbeiten - und das fühlte sich an wie nach Hause kommen.
Zurück im Studio - und dann wurde es ernst
Über zehn Jahre lang war ich Produktfotograf. Studio, Licht, Kamera, Auslöser - das war mein Alltag. Gute Kunden, spannende Projekte, kreative Freiheit. Ich liebe die Werbefotografie bis heute.
Aber irgendwann merkte ich: Viele Jobs wären einfacher zu rendern als zu fotografieren. Kunden brauchten Produktbilder, bevor das Produkt überhaupt existierte. Oder 30 Farbvarianten - jede einzeln fotografieren? Das muss doch smarter gehen.
2018 startete ich mit 3D-Visualisierung. Klingt einfach, ist es aber nicht! 3D-Artist sein bedeutet so viel mehr als nur auf „F12“ zu drücken (diese Taste startet übrigens den Renderprozess in Blender). Assets kaufen und in einer Bibliothek pflegen. Workflows testen und optimieren. Materialien entwickeln, die fotorealistisch funktionieren. Die ersten komplexen 3D-Milieus haben richtig lange gedauert. Aber genau das ist der Teil, den man von außen nicht sieht - und der den Unterschied macht.
Die Ergebnisse überzeugten. Erst die Kolleg*innen, dann die Kunden. Die Nachfrage stieg - und 2021, mitten in Corona, gründete ich Studio Kalz.
Eine Branche im Wandel - und wie man heute 3D-Artist wird
3D-Artist werden - wie geht das eigentlich? Es gibt keine klassische Ausbildung. Keinen Gesellenbrief, keinen Meister. Was es gibt: unfassbar gute Tutorials auf YouTube, Community-Foren und Learning-by-Doing.
Ich habe mir das meiste selbst beigebracht. Blender, Cycles, Shader, Lighting - am Feierabend, weil es mir Spaß gemacht hat. Nicht aus Pflicht, sondern aus Neugier. Du musst es wirklich wollen.
Was mir enorm geholfen hat: mein Fotografen-Hintergrund. Licht, Komposition, Materialwirkung - das musste ich nicht neu lernen. Ich musste nur verstehen, wie ich dieses Wissen in einer 3D-Software umsetze. Wer die Fotografie in der realen Welt beherrscht, kann dieses Wissen 1:1 als 3D-Artist anwenden.
Und genau das ist der Punkt: Das Lernen hat sich verändert. Wissen, das früher nur an wenigen spezialisierten Institutionen vermittelt wurde, ist heute frei zugänglich. YouTube, Blender-Community, Online-Kurse - wer die Motivation mitbringt und bereit ist, jeden Abend ein bisschen dazuzulernen, kann 3D-Artist werden. Ohne Studium, ohne Ausbildung, ohne Meisterbrief. Jeder mit Motivation kann 3D-Artist werden. Das ist eine riesige Chance!
Wenn große Institutionen verschwinden: Das Ende des Photo + Medienforum Kiels
Während sich das Lernen demokratisiert, verschwinden die alten Institutionen. Das Photo + Medienforum Kiel - DIE Adresse für die Ausbildung von Top-Fotograf*innen in Deutschland - hat im Oktober 2025 nach Jahrzehnten geschlossen.
Wie entwickelt sich die Fotografie-Branche im Vergleich zum Bedarf an Bildern?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2007 kamen noch 27 Auszubildende auf 100 Fotobetriebe - 2017 waren es nur noch 6. Bundesweit hat sich die Zahl der Ausbildungsbetriebe im gleichen Zeitraum halbiert.
Quelle: BerufsFotografen.com - Jahresumfrage 2020/21, Teil 4: Ausbildung Fotograf
Gleichzeitig wächst der Bedarf an Bildmaterial rasant. Der E-Commerce-Umsatz in Deutschland ist von 18 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf über 90 Milliarden im Jahr 2024 gestiegen. Jedes Produkt braucht Bilder - und zwar gute. 75% der Online-Shopper sagen, dass Produktbilder ihre Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen.
Quellen: Statista / bevh (E-Commerce-Umsatz), ElectroIQ Product Photography Statistics 2025
Die Schlussfolgerung? Weniger Fotografen, explodierende Nachfrage nach Bildmaterial. Genau hier liegt die Chance für 3D-Artists. Wer fotorealistische Produktvisualisierung anbietet, füllt eine wachsende Lücke - schneller, flexibler und oft günstiger als klassische Fotografie.
5 Tipps für angehende 3D-Artists in der Produktvisualisierung
Du überlegst, als 3D-Artist durchzustarten? Hier sind fünf Dinge, die ich dir mitgeben möchte:
1. Starte mit Blender. Kostenlos, riesige Community, und mit Cycles hast du einen Renderer, der fotorealistische Ergebnisse liefert. Kein Grund, am Anfang Geld für teure Software auszugeben.
2. Konzentrier dich auf Licht und Bildkomposition - das ist wichtiger als 3D-Modelling. Die Basics beim Modellieren reichen völlig. Wer das Auge für Licht und Stimmung hat, macht auch gute Renderings. Schau dir unbedingt auch Fotografie-Tutorials und Studio-Lichtsetzung an.
3. Echte Projekte statt Donut-Tutorials. Erfinde dir einen virtuellen Kunden oder recherchiere in deiner Umgebung nach echten Unternehmen. Analysiere deren Produkte, deren Bildsprache - und erstelle Visualisierungen, als wäre es ein echter Auftrag. So baust du ein Portfolio auf, das überzeugt.
4. Spezialisiere dich früh. Finde deine Nische: Maschinenbau, Möbel, Küchenzubehör, Industrie. Wer als 3D-Artist „alles“ anbietet, bleibt unsichtbar. Wer eine Nische besetzt, wird gefunden.
5. Einfach machen. Erstelle ein Portfolio auf Behance oder - noch besser - eine eigene Website. Zeig deine Arbeit und versuche, jeden Tag etwas besser zu werden. Und ganz wichtig im Bewerbungsprozess: Verschicke keine Links, die Dateien herunterladen. Niemand lädt sich eine ZIP von jemandem runter, den er nicht kennt. Ein Link zu deinem Portfolio reicht.
Warum ich es wieder tun würde
Der Wechsel vom Fotografen zum 3D-Artist war keine Flucht - es war der nächste logische Schritt. Alles, was ich in über zehn Jahren Produktfotografie gelernt habe, fließt in meine tägliche Arbeit ein. Jedes Lichtsetup, jede Bildkomposition, jedes Gefühl für Material.
Studio Kalz ist ein Ort, an dem genau diese Kombination gelebt wird. Fotografie-Know-how trifft auf modernste 3D-Technik. Hier wird mit aktuellster Technologie gearbeitet - fotorealistische 3D-Renderings, KI-gestützte Workflows und interaktive 3D-Inhalte. Neue Technologien werden nicht nur ausprobiert, sondern direkt in Kundenprojekten eingesetzt.
Du suchst einen 3D-Artist, der dein Produkt versteht und in Szene setzt? Dann lass uns reden - ich freu mich drauf!












